
Electronic Arts hat sich durch sein Entwicklerstudio Visceral Games der göttlichen Komödie von Dante Alighieri aus dem 14. Jahrhundert angenommen. Die Entscheidung sich dieses sicher nicht leichten Materials anzunehmen, könnte man als gewagt bezeichnen. Gewagt und kontrovers diskutiert waren auf jeden Fall die so bisher nicht gekannten PR Aktionen, wie z.B. die “Versuchung” von Repräsentanten der Spiele Industrie mit 200 Dollar Schecks oder die inszenierte Protestkundgebung gegen das Spiel auf der E3 Messe im letzten Jahr.
“Dante´s Inferno” erzählt die Geschichte des Kreuzritters Dante, der auf der Suche nach seiner Verlobten Beatrice alle 9 Kreise der Hölle durchqueren muss. Das Spiel orientiert sich dabei nur lose an der Vorlage, auch wenn die Entwickler ihr Möglichstes taten, um dem Spieler die alptraumhafteste Pixelszenerie der Geschichte zu präsentieren. Wenn man beispielsweise den Lust Kreis erreicht, dann trifft man dort auf weibliche Dämonen die einen mit tentakelgleichen, organischen Anhängen bekämpfen, die zwischen ihren Beinen hervor kommen. Der Ring der Maßlosigkeit führt den Spieler zu einer einer überdimensionalen und äußerst widerlichen Frau, die durch ihre grotesk-schwabbelige Animation leichten Brechreiz verursacht – bis sie sich als Teil ihres Angriffs auf den Spieler übergibt. An vielen Punkten trifft man Wesen, die im ersten Augenblick wie unschuldige Kinder aussehen, bis sie einen mit ihren scherenartigen und messerscharfen Händen attackieren. Visceral Games scheint die Messlatte für das, was in Spielen bisher an Monströsitäten gezeigt wurde, ein ganzes Stück höher legen zu wollen.
Um am Ende seine Beatrice wieder in die Arme schließen zu können, muss sich Dante durch Horden von bizarren Kreaturen und Unholden kämpfen. Meistens benutzt er dabei die Sense, die er im Eröffnungskampf Gevatter Tod abgeknöpft hat, für durchschlagende Nahkampfangriffe. Für Distanzangriffe bietet sich Beatrices Kreuz an, mit welchem man heilige Energiestösse abfeuern kann. Dadurch, dass man mehr und mehr teuflische Handlanger, größere Unterbosse und bildschirmgrosse Höllenfürsten besiegt, befreit man gefangene Seelen, welche quasi als Spielwährung dienen. Diese können dazu eingesetzt werden, um Dantes Fähigkeiten anhand eines verzweigten Skillpoint Systems allmählich zu verbessern.
Grafisch ist “Dante´s Inferno” ohne Zweifel eines der ambitioniertesten Projekte der jüngsten Zeit. Produzent Jonathan Knight betonte von Anfang an, dass er und sein Team ein Spiel erschaffen wollten, dass grafisch neue Wege beschreitet. Im Ergebnis muss man festhalten, dass man sich dem visuellen Horror-Zauber von “Dante´s Inferno” kaum entziehen kann. Leider lässt sich dasselbe nicht von der Steuerung sagen. Hier wollte man augenscheinlich zu viel, was sich im Ergebnis leider als recht unausgewogen heraus stellt. So wird man während der Ausführung eines besonders animierten Finishing-Moves nicht von Gegnern attackiert, kann aber im Gegenzug bei vielen gegnerischen Angriffen, ohne die Chance einzugreifen, auch nur zusehen, wie einem nicht unbeträchtlicher Schaden zugefügt wird. Diese Manko, gepaart mit den sehr weit auseinander liegenden Rücksetzpunkten, birgt gerade für Casual Gamer eine enormes Frustpotential.
Zusammenfassend muss man attestieren, dass “Dante´s Inferno” visuell absolut überzeugt – was auch bedeutet, dass Zartbesaitete um das Spiel lieber einen Bogen machen sollten. Alle anderen erfreuen sich an dem alptraumhaften Szenario, welches leider auch eine Steuerung beinhaltet, die dem Spieler oft keine faire Überlebenschance lässt. Wer damit leben kann, für den sind die Pforten der Hölle ab sofort eröffnet.

