
World of Warcraft ist eines der beliebtesten Spiele, die man derzeit im Internet spielen kann. Mehr als 10 Millionen Spieler spielen weltweit bereits mit. Die besondere Faszination geht von der weitläufigen Umgebung, sowie der Charakterentwicklung aus. Für Spieler die die maximale Spielstufe (derzeit 80) erreicht haben, und die sich die Auszeichnung Weltenbummler verdienen möchten, also das gesamte existierende Gelände des Spieles besucht zu haben, ist es immer noch eine Aufgabe von etwa 20-30 Stunden die letzten Flecken aufzudecken. Um einmal die beiden ersten Kontinente von Nord nach Süd zu durchqueren wird der Spieler etwa 3 Stunden benötigen. Somit zeigt sich der große Umfang des zu bereisenden Geländes.
Das Spiel zielt aber weniger auf Eigenbrödler, obwohl diese auch auf ihre kosten kommen, als vielmehr auf Gruppenspieler. Es ist für World of Warcraft von einer essentiellen Wichtigkeit, das der Spieler eine brauchbare Teamfähigkeit mitbringt, oder diese im Spiel entwickelt. Ein gewisser pädagogischer Ansatz ist also gegeben. Auch das umgehen mit Geld, und das arbeiten für andere Spieler hat einen Hauch von Belehrung, und dem Fingerzeig :“Für dein Geld musst du arbeiten, also halte es zusammen“. Neben den Teamtrainings, und dem finanzmanagment, das dem Spieler durch Handel, Arbeit und langwieriges erbeuten (farmen) von Gold auferlegt wird lernt der Spieler auch andere Dinge, die er zwingend verinnerlichen muss. So gibt es Situationen die er alleine nicht lösen kann. Er ist auf Hilfe angewiesen, da diese aber nicht einfach so vorbeikommt, oder zu kaufen ist, wird er darum bitten müssen. Hierbei wird die Interaktion mit anderen Spielern gefördert, und somit eine gewisse soziale Kompetenz gefördert.
Nun muss man als Elternteil, eines World of Warcraft (kurz WoW) spielenden Kindes, nicht unbedingt gleich Panik schieben, wenn der Sprössling jeden Tag vor dem Rechner sitzt und spielt. Natürlich übt WoW ein großes Suchtpotential aus, aber alleine aufgrund seiner Komplexität, und des Aufwandes, der im Spiel betrieben werden muss, um ein bisschen was zu erreichen, ist eine längere Spieldauer vollkommen normal. Als Beispiel möchte ich an dieser Stelle die Instanz Naxxramas anführen, bis vor kurzem die schwerste, und lohnenswerteste Instanz im Spiel. Instanzen sind Gebiete die einzelne Spieler, als Gruppe, betreten können, um dort spezielle Aufgaben zu erledigen. In diesen Bereichen sind sie von der restlichen Außenwelt abgeschnitten, und können auch nicht mit anderen Spielern zusammen spielen. Sie sind auf die Gruppe angewiesen, mit der sie die Instanz betreten haben. Da viele Gruppen diese Bereiche gleichzeitig betreten können, ohne sich in die Quere zu kommen (für jede Gruppe wird eine eigene Kopie des Gebietes angelegt), nennt man diese Bereiche Instanzen. Naxxramas ist hierbei das Heim des großen Endgegners, der letzten Erweiterung, des Lich Königs (sprich Litsch King). Hier können Spieler die begehrtesten Ausrüstungsgegenstände, die besten Waffen und jede Menge Gold erbeuten. Diese Instanz benötigt eine Mindestspieldauer von 4 Stunden.
Nun ist es für Spieler sehr schlecht, mitten in einer solchen Instanz, das Spiel abzubrechen, da andere Gruppenmitglieder so ihre wichtige Unterstützung verlieren, da die meisten Spieler feste Rollen innerhalb einer Gruppe innehaben. Als Heiler z.B. ist man der großen Verantwortung unterlegen die Gruppe am leben zu halten, und nach Kämpfen wieder aufzupäppeln. Als Tank ist man wichtigster Bestandteil in jedem Kampf, der Tank ist schwer gepanzert, und geht an forderster Front die Gegner beschäftigen, bis die Magier von hinten mit Zaubern ihre Gegner um die Ecke bringen können. Fehlt ein entsprechender Teil in der Gruppe, kann die ganze Gruppe fast sofort aufhören zu spielen. Sie können sich also denken das ein Spieler der von seinen Eltern ins Bett gebracht werden muss, sicherlich so schnell nicht wieder eine Gruppe finden wird, die ihn bei seinen Aufgaben unterstützt.
Da allerdings im Eifer des Gefechtes, die anderen Spieler bekommen die Diskussionen ja nicht mit, es schwierig wird, diesen Punkt darzulegen, während man versucht sich auf das Spiel zu konzentrieren kann es schnell zu aggressiven Diskussionen kommen. Das sind dann die Situationen an denen gebrüllt wird, und die Eltern der Spieler, das Spiel verfluchen, und am liebsten verbieten wollen. Hier ist allerdings gegenseitiges Verständnis gefragt. Angenommen der Spieler ist mit einer Instanz, und seiner Gruppe, bereits 4 Stunden beschäftigt, und sollte längst fertig sein, benötigt aber noch eine halbe Stunde, weil irgendjemand in der Gruppe mal nicht aufgepasst hat, so wäre es doch ärgerlich, wenn die arbeit von mehreren Stunden, vielleicht des gesamten freien Nachmittags, durch ein „Du gehst jetzt sofort ins Bett!“ ausgelöscht würde.
Ein solch umfangreiches Spiel erfordert manchmal Situationen, die ein wenig ungewöhnlich sind, das ist aber noch kein Grund zur Sorge, sondern einfach normal. Seien sie froh, wenn ihr Kind sagt: “Ich kann die Gruppe nicht im Stich lassen, die brauchen mich!“ das ist ein Beweis der sozialen Kompetenz, und des funktionierendes Teamworks. Das Kind stellt dann seine eigenen Bedürfnisse hinten an, und fördert eher die Gruppe. Nun darf das ganze natürlich auch nicht ausarten. Spricht ihr Kind bereits in Chatsprache, und benutzt beim verlassen des Tisches den Begriff „AFK“, oder anstatt zu lachen „LOL“ dann sollten sie anfangen sich Gedanken zu machen, denn das sind eindeutige Beweise dafür das der betroffene die reale Welt nicht mehr von der Spielwelt trennen kann.
Um solchen Situationen vorzubeugen sollten sie Vereinbarungen treffen, die für beide Seiten sinnvoll sind. Eine gewisse Spielzeit von 2 Stunden am Tag ist vollkommen in Ordnung, wenn man vereinbart das Instanzen nur am Wochenende gespielt werden, um eben unter der Woche die großen Raidinstanzen, die locker 4 Stunden und mehr dauern können zu vermeiden. Natürlich sollte man auch vereinbaren das die allgemeine Leistung nicht darunter leiden darf. Es müssen weiterhin die üblichen Haushaltsarbeiten, wie z.B. Bett machen, Müll rausbringen usw… gemacht werden. Die schulischen Leistungen dürfen allerdings auch nicht leiden, so lange ist WoW auch kein Problem. Natürlich wird sich ein WoW Spieler intensiv damit beschäftigen, aber vielleicht lassen sie das Kind die Spielzeit ebenfalls selbst verdienen. So weis es dies ein wenig mehr zu schätzen.
Die Suchtgefahr kann so unter Kontrolle gehalten werden, und eine extreme Spielsucht kann verhindert werden. Das wichtige ist, das sie als Elternteil nicht den Blick fürs wesentliche verlieren, und WoW für alles verantwortlich machen, was schief läuft. Erst im Notfall, wenn Vereinbarungen gebrochen, Zeiten massiv überschritten, und Leistungen stark vernachlässigt werden sollte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden. WoW ist nun einmal ein Spiel, das Zeit als grundlegenden Faktor voraussetzt. Selbst die Spieler, die dieses Spiel beruflich spielen benötigen etwa 3 Monate um einen Charakter auf Maximallevel zu bringen, und voll auszurüsten. Diese Spieler werden jedoch dafür bezahlt, sitzen in China, und spielen das Spiel in drei Schichten 24 Stunden am Tag, was einem „normalen“ Spieler gar nicht möglich ist. Eine Spielfigur von 0 auf 80 zu spielen dürfte einem guten Spieler, mit viel Hilfe, in etwa 6 Monaten gelingen, ohne permanente Hilfe dauert dies mindestens ein Jahr.
Machen sie sich also nicht zu viele Sorgen wenn ihr Kind mal wieder den ganzen Tag am Rechner vertrödelt, und WoW spielt. Es sind schon kleine Aufgaben wie eine Briefzustellung, die in diesem Spiel locker ein bis zwei Stunden dauern können, weil man immer wieder hin und her geschickt wird. Das wirkliche Suchtpotential bemerkt man durch stark sinkende Leistungen, und vor allem am Abhandenkommen von Realismus. Bemerken sie diese Symptome, oder reagiert ihr Kind mit Entzugserscheinungen, Vorsicht, nicht mit Vorfreude verwechseln, so ist professionelle Hilfe angesagt.

